Mobile Frühpädagogische Integration (MFI)

Kinder sind anders

"ELLA“ - Eine wahre Geschichte über begabte verkannte Kinder... - Sogenannte anstrengende Kinder!!!

Ich durfte ein Mädchen kennen lernen, welches im Laufe seiner kurzen Biografie beträchtliche unzählige bewertende Profile übergestülpt bekam.
Das erste Mal traf ich sie im Alter von drei Jahren. Nennen wir die kleine getreideblonde Erscheinung "Ella". 

Ella wurde mir vor vielen Jahren von ihrer Erzieherin als unbändiger Wirbelwind vorgestellt, der sich weder „zusammen reißen“, noch zu benehmen wusste. Sie galt als verhaltensauffällig, traumatisiert, psychisch labil, verhaltenskreativ, entwicklungsverzögert, hochbegabt oder eben landläufig einfach als hyperaktiv.
Ja, tatsächlich: Wenn man das liest, denkt man sich: „Ja, was denn nun, hochbegabt oder retardiert...?“ - Ich würde sagen, man muss genau hinsehen!

Ella erschien mir selbst als pure Lebendigkeit. Ihre Augen blickten stets wach und neugierig und sie schien wissbegierig und übereifrig (ohne das werten zu wollen). Sie war für mich das blühende Leben. Ein Licht, das eben auch Schatten wirft.
Leider hatte Ella einen schwierigen Stand. Zumindest bei den Erwachsenen. Sie galt als charmanter bisweilen nervender Störenfried. Denn sie wusste angeblich, ihr Umfeld in Mimik und Gestik zu bezirzen und zu manipulieren; und schoss wohl dabei gerne übers Ziel hinaus. Erstaunlicherweise war sie in der Kindergruppe relativ beliebt. Sie trug scheinbar zur Belustigung der gesamten Kindergartengruppe bei und wies erstaunlichen Unterhaltungswert auf!
Ella, so hieß es, bräuchte Einzelförderung. Sie würde Konflikte provozieren und sei schwer erziehbar! Darüber hinaus sei sie raffiniert und listig. Auch Kinder spiele sie gegeneinander aus und würde hanebüchene Behauptungen zu ihrer eigenen Reputation aufstellen. Sie hätte kein Rechtsverständnis und wolle immer im Mittelpunkt stehen.
Man gehe davon aus, dass die Familie asoziale Tendenzen aufweise, da der Vater ein abwesender Ausländer sei und die Mutter mit dem Kind überfordert wäre. Des Weiteren weigere sich das Kind seit der Krippenzeit hartnäckig mittags zu schlafen und das obwohl es überdreht und vermutlich dauermüde sei.

Fazit: Ella sei wirklich anstrengend und fast untragbar für die Gruppe. Ella sei kaum auszuhalten und es müsse endlich was passieren!

Ich beobachte Ella einige Jahre. Viele Situationen waren fragwürdig, diskutabel und herausfordernd. Mir fiel über die Jahre eine zunehmende Grundverunsicherung Ellas auf. Sie neigte zu vielfältigen Ängsten. Schon in jungen Jahren nahm sie verschiedene Perspektiven ein und konstruierte für sich selbst Angstgebilde. In all ihren Aspekten war sie im Hinblick auf Gefühle immer einen Ticken anders als andere Kinder.
Sie wirkte aber all die Jahre auf andere immer energisch, temperamentvoll, frech und - ach ja: „anstrengend“. Vor allem auf diejenigen, die sie nur oberflächlich kannten. Und diese Bewertungen wurden ihr zunehmend zum Verhängnis!

Dabei war Ella alles und nichts. Sie war von allem etwas. Sie hatte so viele Facetten, die es schwer machten, sie einzuordnen. Und jeder konstruierte ein anderes Bild von ihr.
Natürlich sollte all die Jahre immer eine Diagnose gestellt werden. Es wurde tatsächlich von all den Erwachsenen, die auf sie einwirkten, viel diagnostiziert. Sie sei wahrnehmungsgestört, verwahrlost, hyperaktiv, nicht in der Lage zum Triebaufschub und eventuell doch clever.

Ella wurde also die meiste Zeit gebremst! Sie war immer von allem ZUVIEL! Sie bekam rückgekoppelt, sie sei seltsam und anders, aber vor allem ansprüchlich und anstrengend... - - -

Ich möchte mit diesem Beitrag und mit Hilfe von Ella ein gewagtes Bild vom Kind konstruieren und skizzieren, das bisher in der Beschreibung von „Verhaltensauffälligkeiten“ nach meiner Meinung zu wenig Beachtung gefunden hat.

„Das sogenannte ANSTRENGENDE KIND!“

Und möchte auf die Macht der sozialen Beziehungen eingehen.

In kleinen Kurzgeschichten über ELLA werde ich versuchen, die Welt von einem so betiteltem „anstrengenden Kind“ darzustellen.
Denn Ella kann und konnte viele gesellschaftliche Ansprüche nicht erfüllen und kann es auch heute nicht. Sie hat und hatte keine Zeit und keine Energiereserven dafür. Es gilt, solche Kinder zu verstehen, um ihnen zu helfen... ! ELLA soll gewürdigt werden. Denn Ella blieben viele Türen bisher verschlossen... -